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DER GLÜCKLICHE SISYPHOS

Aktualisiert: 12. Nov.



Camus vergleicht uns Menschen mit der mythologischen Figur des Sisyphos. Dieser arme Kerl muss einen schweren Stein immer aufs Neue einen Berg hinaufrollen. Der Stein rollt nämlich stets wieder hinunter, sobald Sisyphos oben angekommen ist. Unser Leben gleicht nach Camus also einer «Sisyphusaufgabe», einem sinnlosen Unterfangen, ohne Zweck und ohne Erfolg. Camus meint aber: «Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen».

Albert Camus hat als Denker des Absurden die Philosophiegeschichte geprägt. Warum zum Teufel soll dieser Sisyphos glücklich sein, fragt man sich. Camus meint, Sisyphos erkenne, dass der Fels allein seine Sache ist: «Sein Schicksal gehört ihm». Darin bestehe sein Glück. Dasselbe gelte für uns Menschen: In einem gottlosen Universum gibt es keinen Plan, ausser wir Menschen schmieden ihn.

Treffpunkt 10.30 bei Christiane und Fritz. Nach einer Stärkung ging’s los, bepackt mit Werkzeugen, Kübeln und Getränken. Kristin, Wolfgang, Andre, Constantin, Fritz und Christiane gingen gut beschuht an einem traumhaften Herbsttag im Sonnenschein ohne Nebel, obwohl in Wien und Umgebung der Nebel noch tief lag, in den Wald … zur Quelle. Vollbeladen mit Fragen und der Hoffnung das zu entdecken, was uns einen Schritt weiterbringen könnte. Schweigsam und vorsichtig setzten wir Schritt nach Schritt im unwegsamen, sehr schräg geneigtem Gelände immer den Blick auf das nasse Laub gerichtet unter dem sich die rutschigen Äste verstecken.



Wiedereinmal spannte ich einen bunten Faden von Baum zu Baum, auf der Suche nach dem idealen Weg durchs Dickicht, der uns beim Rückweg hoffentlich helfen wird.


Dort angekommen. Begann die Inspektion und ohne Absprache, wußten alle, was sie tun werden. Wolfgang und Fritz begannen mit dem Ausschaufeln des Lehms aus dem Betonbecken.

Viel, sehr viel und noch mehr Lehm wurde entfernt, bis Andre genug sehen konnte um bis zum Bauch in das Auffangbecken der Quelle einzutauchen,



um noch mehr Lehm zu entfernen und nach und nach die Beckengröße zu erfühlen. Dabei begannen Kirstin und Ich den Waldboden von vermorschtem Geäst und vermodernden Bäumen zu „ordnen“, was soviel bedeutet, daß wir rund um die Quelle das Holz schlichteten. Damit rundherum ein sichereres Gelände für einen Zugang entstehen kann. Steine wurden gesammelt, um sie später beim Quellenlauf wieder ab zu legen.


Von Zeit zu Zeit hörten wir Rufe aus der Quelle. „Ich hab was gefunden!“, „hier ist eine zweite Kammer!“, und dann war Andre am Ursprung! Dem Einlauf des Wassers aus dem Berg in die Auffangkammer. Voller Lehm aus dem kaltem Wasser und glücklich. Wer kann schon davon erzählen an einem solchen Ort gewesen zu sein.

Kurzfristig versuchten wir an der hinteren Seite der Quellkammer eine bessere Möglichkeit zur Reinigung des Becken zu finden, was sich aber als Sackgasse entpuppte. Weiter ging es mit der Lehmausschöpfung bis Andre, schon fröstelnd erkannte, daß es unmöglich ist den restlichen Lehm aus der Tiefe auf diese Art und Weise auszuschöpfen. Es muss eine andere Lösung gefunden werden.


Wolfgang und Andre krochen noch Mal ins Becken und erfühlten einen Stoppel am Ausflaufrohr, an den sich Fritz erinnert hatte, der offensichtlich vor Jahrzehnten zur Unterbrechung der Wasserleitung sorgen sollte. Wir liessen den Stoppel wo er ist und werden im Frühjahr nach einigen wichtigen Vorbereitungen den Versuch wagen und und den Stoppel entfernen. Aber das ist ein weiterer Schritt. Da nun gefühlt werden konnte, wo sich Zufluss, Abfluss, Überlauf und die Kammern befinden, konnte Constantin beginnen seitlich zu graben um im Idealfall den Anfang der Rohrleitung freizulegen. Mit kraftvollen Aushebungen schaufelte er die nasse Erde. Er kämpfte sich durch das tiefe Wurzelwerk der Bäume, angetrieben durch das Gefühl etwas entdecken zu können. Andre und die anderen spornten ihn an….. dann das ersehnte und erleichterndes Geräusch: Metallschaufel auf Metallrohr! Ein Glücksmoment den wir alle durch unsere spontanen Ausrufe der Begeisterung begleiteten.




Das Becken füllte sich immer wieder mit dem Wasser aus dem Berg und begann schneller zu fliessen. Es erfüllte uns mit prickelnder Energie und wir platzierten die Findlinge. Constantin verschwand gedanklich in der Wasserwelt und half euphorisch dem fliessenden Wasser einen Weg durch den Waldboden zu finden.



Wir befestigen in den nächsten Tage ein weiteres Auslaufrohr nach Anleitung des Brunnenmeisters und werden über die nächsten Monate in regelmässigen Abständen die Menge des Wasser messen und die Wasserqualität prüfen lassen.



Wir wurden während den letzten Stunden von einer magischen, energiereichen Atmosphäre begleitet und auf dem Heimweg von einer traumhaften, herbstlichen Abendstimmung mit Nebel und Sonnenschein belohnt. Da hält man inne und bleibt stehen, um den Anblick und den einmaligen Augenblick ein paar Minuten wirken zu lassen und zu geniessen.

Fortsetzung folgt....

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