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ERINNERUNGEN AUS DER HAMLETZEIT

Aktualisiert: 30. März

Hildes Niederschriften aus einer früheren Zeit.


Im Zentrum der Tragödie ,,Faust 1" des Johann Wolfgang von Goethe steht der Charakter des Doktor Heinrich Faust, welcher unter der Beschränktheit seiner menschlichen Natur leidet (Zeile 354-359).


MEIN SCHÖNSTER HAMLETBESUCH

Wir waren alle ungefähr 16 Jahre alt, als uns Dr. Wolfgang Madjera, von mir „Onkel Wolf“ genannt, eine Loge im Deutschen Volkstheater zu einem „Hamlet“ Besuch zur Verfügung stellte.

„Wir“, das waren meine Freundin Vally, ihr Vetter Walter Kunz, für den mein Herz seit meinem 13. Jahr als ich ihn kennen lernte, schlug, vielleicht auch seine Schwester Hilde Ku, so genannt zur Unterscheidung, ich war Hilde Ke(Kunz-Kepert)- für alle Fälle hatte uns Onkel Wolf das Kinderfäulein mitgegeben.



Adolf von Sonnenthal in der Rolle des Faust

Wie immer waren wir sehr heiter gestimmt und freuten uns sehr über das Schauspiel. Walter war der fröhlichste! Er begleitete die Aufführung mit seinen spaßen, wir dankten ihm mit Gelächter, daß arme Kinderfräulein rang die Hände. „Bei so einem ernsten Stück!“ Beim Auftritt von „Rosenkranz und Guldenstern verkündete Walter laut: „Ich brauche keine Adeligen, ich bin ein ehrlicher Kaufmannssohn!“(Er war Schüler in Karlsburg, dem vornehmsten Internat von Wien, das meist von Adeligen besucht wurde)

„Ophelia geh ins Kloster!“ Wer …. uns Entzücken, als Walter Vally und mir befahl, uns diesem Unternehmen anzuschließen. Unser Gelächter wurde überlaut! Da kam schliesslich der Höhepunkt des Stückes: „Sein oder NichtSein, das ist die Frage!“ Vorher kam es zwischen uns noch zu einem lautstarken Streit!: “Wieviele tote am Ende des Stückes wohl zu erwarten seien?“ Nun kann man sich vorstellen, daß die ernsten Worte des Helden Walter zu besonders witzigen Kommentaren anregten(für mich war es der schönste „Hamlet Monolog meines Lebens!) Aber dem Herrn in der Nebenloge wurde es endlich zu viel: „Werdet Ihr endlich still sein, Ihr Fratzen! Schrie er :“So junges unreifes Gemüse schickt man nicht in Hamlet!“



Das arme Fräulein verging vor Scham und wir verstummten wohlerzogen.-Wie diese prächtige Vorstellung zu Ende ging, weiß ich nicht mehr.-Ich erinnere mich nur, daß Walter mir wiederholt versprich, mich nach der Vorstellung nach Hause zu begleiten(welches Entzücken für mein verliebtes Herz) aber durch irgendeine Tücke des Geschickes wurde er daran verhindert!

Als Theater Narr“ habe ich in meinem langen Leben noch viele „Hamlet Aufführungen“ gesehen-aber keine habe ich so genossen wie diese!

Ob Walte sich noch daran erinnert? Und oben er seine künftigen Kinder wirklich „Liselotte“ Gras und Herz benannte, wie er es mir einmal versprach? Ich weißes nicht, denn unsere Wege trennten sich. Nicht ohne das Zutun meines langjährigen Jugendfreundes Karl Maria Heidt! Der hatte die liebe Gewohnheit, mir jeden Jüngling, der mir gefiel, auszutreiben! So wurde auch meine „zarte Liebe zu Walter Ku“ ein Opfer seiner boshaften Bemerkungen.

Den letzten Dolchstoß erlitt aber meine Liebe“zu Walter Ku“als mir Karl ausführlich schilderte, wie bei seinem militärischen Einsatz in Belgien eine schöne, junge belgische Prinzessin in einem Landhaus mit Garten Walter in die „Geheimnisse  der Liebe“ einführte.


EINE ANDERE ERINNERUNG AUS DER HAMLETZEIT


„Wir“ verbrachten unsere Sonntagnachmittage in der Anastasias Grüngasse und vergnügten uns damit Lieder und Szenen aus Theaterstücken darzustellen und der Gegner mußte erraten, was es sein sollte. Ich sehe mich noch auf einem Kasten sitzend, mein langes Haar kämmend und Karl fuhr in  einer Kinderbadewanne, mit einem Kochlöffel rudernd an mir vorbeifahren (eine vollendende Loreley Darstellung) oder wie ich auf einem Bügelladen feierlich aufgebahrtes Ottokars Frau tot daliege.- Walter stürzte, erschüttert „Margarethe“ schreiend zu meinen Füßen nieder- leider war seine Erschütterung so groß, daß er mich dabei vom Bügelladen schmiß! Wie schön! Ob Walter sich noch an diese Vorfälle erinnert?


Als ich mit Walter Ku noch in der Edelhofgasse Tennis spielte, war meine „liebe zu ihm“ noch so stark, daß ich ihm ein Herren Raket, das für mich viel zu groß und viel zu schwer war, um 16 Kronen abkaufte!!!

Es lag noch jahrelang unbenützt in meinem Kasten und ich ärgerte mich jedesmal bei seinem Anblick! Über meine Dummheit!

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