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EINFLÜSSE, DENEN EIN EINFACHES BÜRGERKIND IN DER K&K MONARCHIE AUSGESETZT WAR • TEIL1

Aktualisiert: 4. Juli

Titel: Der National Sozialismus in unserer Familie und in unserem Bekanntenkreis. von Hilde

Bei Unterlagen meiner Mutter, Valerie, fand ich ein Heftchen mit Aufzeichnungen. In eindeutigen Schriftbild meiner Mutter, ist mit Kugelschreiber vermerkt: Dr. Karl M. Heidt (darunter wurde mit einem Kugelschreiber etwas unkenntlich gemacht und auf der Umschlaginnenseite mit einem grünen Filzstift steht

„Von wem ich diese Unterlage bekam weiss ich nicht!“.

Die Ziele der NSDAP und warum so viele meiner Verwandten und Bekannten dafür waren. Vor dem Anschluß glaubten alle daran. Anschluß an Deutschland - ein Groß Deutsches Reich. Arbeit für alle: In Österreich herrschte Arbeitslosigkeit. Hitler ließ Autobahnen bauen-gründete das Bundesheer-zahlte die Kriegsschulden nicht weiter….

Einfachheit in der Lebensführung: Kein Putz und Tand! Kleidung-weder Schminke noch Lippenstift etc. …

Alles für die Gesundheit: Meide Nikotin und Alkohol! Viel Sport-Turnen, Laufen, Schwimmen, eislaufen-Ski Sport … Weg mit der „Entarteten Kunst“!

Judenfrage : Uns von den Juden nicht übervorteilen lassen! Kauft nur bei Ariern!

Angeregt durch die Sendung ÖI von Hugo Portitsch, oe1.orf.at/artikel/696570/Hugo-Portisch-wie-ihn-kaum-wer-kennt, der zu erklären versucht, wie in Österreich (besonders in Wien) der Boden für den National Sozialismus und den damit verbundenen Antisemitismus schon vorbereitet war, will ich versuchen zu schildern, welchen Einflüssen ein einfaches Bürgerkind in der K.u.K. Monarchie ausgesetzt war.

Ich wurde 1898 geboren. Mein Vater, interessierte sich weder für Politik noch für Religion.

Einmal im Jahr, am Christtag, besuchte er die Kirche, bereitete uns aber immer ein schönes Weihnachtsfest. Der Christbaum, den er selbst aussuchte und schmückte, mußte immer bis an die Decke reichen. Seine ganz Liebe galt der Natur. Die vielen Wanderungen, die er mit mir machte, waren die schönsten Erlebnisse meiner Kindheit und die Liebe zu Blumen, Tieren, Bergen und Wäldern pflanzte er tief in mein Kinderherz.

Von einem Unterschied zwischen Christen und Juden erfuhr ich nichts, hörte nur, daß sein Chef Jakob Spielmann, ein besonders fleißiger, tüchtiger Jude war. Er hatte es vom Laufjungen, der für seine alte Tante in einem Laufwagerl Gemüse ausführen mußte, zum Direktor der Weltfirma Schenker & Co gebracht. Als ich in die Volksschule kam, kam ich zum ersten Mal mit Jüdinnen in näheren Kontakt. Der 9. Bezirk, in dem ich wohnte, galt als Judenbezirk und die Hälfte meiner Mitschülerinnen waren Jüdinnen. Sie waren klug und sehr fleissig, und mir fiel auf, daß sie besser situiert waren als die meisten meiner anderen Mitschülerinnen. Ich freundete mich mit Ihnen an. Ich saß zwischen „Mana Schik“ und „Lilli Gelbhaus“ und beide fütterten mich mit kleinen Dienstleistungen, wie einsagen und abschreiben lassen, mit Malzzuckerln fast zu Tode. Am ende der 4. Volksschulklasse machten die meisten der jüdischen Mitschülerinnen die Aufnahmeprüfung ins „Lyzeum“- meinen nicht jüdischen Freundinnen lag dieser Gedanke fern. Lyzeum kostete Geld. 

LYZEUM: historisch: ein von den Humanisten den Universitäten verliehenes Adelsprädikat. historisch: im 19. Jahrhundert eine Bezeichnung für Gymnasium in Deutschland (vergleiche die französische Bezeichnung lycée) Norddeutschland: eine höhere Mädchenschule.


DIE GEISTESWELT DER PHILOSOPHIE  

  • Welt des Geistes.

  • Gesamtheit geistig schaffender oder interessierter Menschen.

Nach der 5. Klasse Volksschule kam ich in die Bürgerschule in den 1. Bezirk, Renngasse. Hier waren die Jüdinnen von uns getrennt. Die A Klasse rein jüdisch, die B Klasse rein arisch- (der 1. Bezirk galt ja als Judenbezirk) und das im Jahr 1910! Ich kam also mit Juden nicht weiter in Berührung, wenn man davon absieht, daß mein Zahnarzt Jude war und daß uns Geißler, der Jude Kobi Lazarus, stets auf mein Wohlbefinden bedacht war und mir immer die besten Stücke der von mir so geliebten Bruch-Schokoladen-Ripperl aussuchte.

Doch nun begann das Kriegsjahr 1914! Im August schloß ich Blutsbrüderschaft mit dem gleichaltrigen Knaben Hermann Dörr. Als ich ihn kennenlernte, sagte seine Schwester: „Heute kommt mein Bruder Hermann, aber wir denen ihn Moritz, das ärgert ihn nämlich, weil er Juden so haßt.“ „Blödsinn“, dachte ich.

Zu jener Zeit war es meiner Freundin Mariandl und mir plötzlich zu Bewusstsein gekommen, daß wir deutsche Mädchen waren und von nun an trugen wir immer eine Kornblume im Knopfloch. 

3. November 2006 schreibt der Standard einen Artikel. Die blaue Kornblume war in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts hier zu Lande das Erkennungszeichen für illegale Nationalsozialisten, hieß es in dem Artikel- https://www.derstandard.at/story/2641809/blaue-kornblume-in-fpoe-revers-orfat-ortet-anklaenge-an-illegale-nsdapler

und Armin Wolfs Artikel verbindet uns in die Gegenwart.


Ich glaube, ihr älterer Bruder, der bei einer deutschen Burschenschaft war, hat es uns gelehrt. Marinade hatte bei einem Schulausflug ihre Jacke verloren, es daheim verschwiegen, und wenn ein kühler Abend war, ging sie ohne Jacke mit der Begründung: „Ein deutsches Mädchen friert nicht.“

Nun war der Boden vorbereitet für meine Erlebnisse in der LBA. Unser von mir so verehrter Deutschprofessor Eduard Hartmann war schon damals ein verkappter Nazi. Er erkor mich sofort zu seinem bevorzugten Liebling: ein richtiges deutsches Mädchen! Groß, blond, blauäugig, als einzige in der Klasse keine Löcher in den Ohren/welche Negersitte!), Hochdeutsch als Muttersprache - das genügte, daß ich vier Jahre lang das angenehmste leben führte und durch Prüfungen in Geschichte (diese Fächer unterrichtete er auch) nie belästigt wurde. „Deutschland, Deutschland über alles“ war der Inhalt seines Unterrichtes und da mein Herz auch an der deutschen Literatur hing, störte mich das keineswegs. Nur eines mißviel mir gründlich. Wenn Prof. Hartmann das Klassenzimmer betrat rief er zwar nicht „Heil Hitler!“, Anmerkung: war dieser Gruß nicht erst viel später und eventuell in der Erinnerung der Verfasserin zeitlich verschoben?, aber doch sehr lautstark: „Gott strafe England!“ Und wir hatten im Chor zu antworten: „Er strafe es!“ Ich war entschieden dagegen, Gott mit Rachegedanken zu belästigen.


Nachrichten von 1914 – 14. August: England erklärt Österreich den Krieg. England hat Österreich-Ungarn den Krieg erklärt.

Nun fehlt nur noch eine Kriegserklärung, damit acht europäische Staaten in diesen Krieg verwickelt sind.

Es erübrigt sich zu erwähnen, daß in der gesamten staatlichen Lehrerinnenbildungsanstalt keine einzige Jüdin aufschien.


Aber wie ging es nun weiter? Wie war es möglich, daß so viele meiner Bekannten und Verwandten National Sozialisten wurden?

„Kriegseuphorie – Kriegsmüdigkeit“, Begeisterung und Ernüchterung im Großen Krieg. Die frenetischen Jubelrufe vieler im Sommer 1914 in den Krieg ziehender Soldaten wirken aus heutiger Perspektive und mit dem Wissen um das Destruktionspotential und die Gewalt, die dieser Krieg entfaltete, gespenstisch.https://www.habsburger.net/de/kapitel/kriegseuphorie-kriegsmuedigkeit-begeisterung-und-ernuechterung-im-grossen-krieg


1918. Ich machte Matura, erhielt eine Anstellung als Lehrerin und war mit meinem Beruf glücklich und zufrieden. Der Krieg ging zu Ende- aus der Monarchie wurde eine Republik. - Wenn ich jetzt Ö1 höre, was damals alles geschah, bis unsere Republik Deutsch Österreich gefestigt dastand, ergreift mich tiefe Scham darüber, was ich damals für ein egoistisches Geschöpf war, das sich nur für sich selbst und seine Familie, seine Freunde, seinen Beruf, kurz seine unmittelbare Umgebung interessierte! Der Krieg war ja glücklicherweise zu Ende und alles andere war mir gleichgültig! (Ich muß an ein Gedicht denke:  „…ihr schien die Liebe Lebenszweck und alles andre Schund!“)


Mit meinem Freund Karl, Anmerkung: der Hinweis dafür, daß es sich um Karl, meinem Großvater handeln könnte, verbrachte ich die zwei glücklichsten Sommer meines Lebens! Er war mein „Guru“ (so würde man heute sagen) und er erschloß mir die Geisteswelt der Philosophie!


Obwohl er behauptete, ich sei das Idealbild der „Deutschen Frau“, gab es in unserer Geisteswelt keinen Platz für Rassismus oder gar Antisemitismus! 

Dann ging ich mit einem Kindertransport nach Holland. Infolge einer unglücklichen Liebe begann ich dort, noch intensiver über den Sinn des Lebens nachzudenken als ich es mit Karl getan hatte, und kam zu dem Schluß, daß alles sinnlos ist. Lächerlich erschien mir der in Holland herrschende Gegensatz zwischen Katholiken und Protestanten - das Leben war doch traurig genug - alle Menschen sollten sich doch gegenseitig helfen, es zu ertragen.

Nach Wien zurückgekehrt, schloß ich einen Pakt mit meinem ehemaligen Blutsbruder Hermann: Wir wollten unsere Freizeit zusammen verbringen, bis ich die große liebe (!) fand, dann würde er mich freigeben.-Wir verbrachten drei glückliche Jahre - unsere Hauptinteressen galten der Natur und der Kultur. Was mich an Hermann aber manchmal besonders störte, war sein Judenhass, der ab und zu Tage trat.

Faust Neubacher: alias Hermann Neubacher 

Hermann Neubacher war ein österreichischer Wirtschaftsfachmann und Politiker der NSDAP. Von 13. März 1938 bis 14. Dezember 1940 war er Bürgermeister von Wien.

Auch war er bei einer schlagenden Verbindung, (ich glaube , es war die Germania). Ich verstand es keineswegs, daß sie sich, „umdeutschen Mut zu beweisen, gegenseitig dasGesicht zerschlugen und noch stolz auf ihre „Blessuren“ waren. Sein besonderer Haß richtete sich gegen Direktor Spielmann, der als Freund meiner Mutter ständig bei uns verkehrte. Bemerkungen Hermanns über diesen „alten Juden“ verärgerte mich oft.

Nun-die Zeit verging und im Jahre 1923 lernte ich Fritz in den Bergen kennen- und da ich davon überzeugt war, dies sei die „große Liebe“, verließ ich Hermann und heiratete Fritz! Was mir damals besonders gut an ihm gefiel, war im Gegensatz zu <Hermann seineToleranz! Keine Spur von Rassismus oder Antisemitismus! Er hatte jüdische Schüler, einen hatte er sogar in Mittersil mit und vertrug sich anfänglich sehr gut mit Herrn Spielmann  und dessen Freundin Else! Wir führten eine glückliche Ehe, machten Reisen nach Italien, Frankreich und Spanien und waren als Österreicher überall gern gesehen. 

Inzwischen tat sich in der Politik allerhand! Es entstand die Frontkämpfer Organisation, die rechts orientierte Heimwehr und als Gegenstück der links orientierte Schutzbund wurden gegründet und zuletzt gründete die deutschnational orientierte NSDAP die SA. Das alles tangierte uns damals aber wenig!

Aber so um 1930 begann sich Fritz plötzlich für Politik zu interessieren. Nach dem Besuch bei einem Freund war er wie verwandelt:

Hitller war in sein Leben getreten! Er ar begeistert von dessen Ideen und redete nur mehr von ihm! Ich erinnere mich, daß er sogar Direktor Spielmann über Hitlers Ideen für das deutsche Volk diskutierte. Spielmann, ein sehr kluger Mann, sagte damals: „Viele Ideen von Hitler scheinen mir gut für Deutschland, aber Hitler macht einen großen Fehler- er macht sich das Welt-Judentum zum Feind-Hitler benützt den im Volk schlummernden Antisemitismus, um seine Macht zu vergrößern und das wird ihm früher oder später das Genick brechen!“

Wie recht er hatte!

Nun begann für mich eine schwere Zeit. Ich liebte meine Famili und wollte den häuslichen Frieden um jeden Preis aufrecht erhalten. Fritz trat der SA bei, glaubte an Hitler und nahm seine Ideen ernst. Wir hatten einen jüdischen Hausarzt, ich hatte einen jüdischen Zahnarzt, der viel für mich übrig hatte, und nicht nur mich, sondern auch Mama, Reinhold und die kleine Traudl gratis behandelte- Reinhold hatte viele jüdische Freunde. Der Jude Dir. Spielmann hatte ihm einige Weltreisen ermöglicht, und besuchte meine Mama wöchentlich und Mama besuchte seine jüdischen Frauen Randi und Else(seine eigene Frau und seine Freundin) 

Ein besonders schwarzer Punkt war unser Geißler, bei dem wir wöchentlich einkauften, auch Jude. Aber nioch nicht genug: Mein heißbeliebter Onkel Rudi, Mamas Bruder war als ehemaliger österreichischer Offizier ein entschiedener Gegner Hitlers und hielt mit seiner Meinung nicht zurück! Armer Fritz! In was für eine Familie war er da geraten! Zum Glückfür ihn waren die Glieder meiner Familie väterlicherseits sofort Anhänger Hitlers! In Nordmähren geboren und aufgewachsen, waren sie ja mit Deutsch Bewusstsein und Cechenhaß erzogen worden. Mein Cousin Friedl ließ sogar den Namen KEPERT ein zweite P einfügen, weil er behauptete, Kapert sei ein ´cechisches Wort. Daß er bald der SA Beitrag, versteht sich von selbst.

Meine Internetsuche hat eine schwedische Seite gefunden.

Mein Cousin mütterlicherseits, LU, war arbeitslos, ein Grund, daß auch er der NSDAP beitrat. Ebenso seine Freundin Elli Melchior. Meine Freundinnen Mut Tetsch und Paula Neidhart traten aus Überzeugung bei.


Aber was unternahm nun Fritz? Statt wie sonst an Sonntagen mit Traudl, Anni und mir einen Ausflug zu machen, nahm er mit seinen neuen Kommilitonen, den SA Männern, an Geländeübungen teil. Dann verbot er meiner lieben Hausgehilfin Anni, weiter beim Tobi Lazaruseinzukaufen. Unser Geld dürfe sie doch nicht zu einem Juden tragen! Hätte ich nun streiten sollen? Anni sagte: „Ich mach das schlau. Wenn der Papa in der Schule ist, geh ich zum Lazarus, wenn er daheim ist, gehe ich zum Frank bis an die Ecke!“

Der nächste Schritt von Fritz war nun, das er evangelisch wurde! Die katholischen Geistlichen zeigte für Hitler kein Verständnis. Er nahm nun Teil am kirchlichen Leben und wurde ein überzeugter evangelischer Christ. Es ist lobend hervorzuheben, das er uns schöne Advent- und Weihnachtsferien bescherte.

Inzwischen war Hitler in Deutschland an die Macht gekommen. Die Lage spitzte sich zu. Traut sollte in die erste Klasse kommen. Fritz konnte natürlich nicht zusehen, daß seine Tochter in die Grünentorgasse kam, wo doch die halbe Klasse aus Jüdinnen bestand!https://new.schubertschule.at/

Hätte ich streiten sollen? Ich unterrichtete Traudl in der 1. klasse daheim und schickte sie dann zu einer lieben Kollegin in die Greiseneckergasse im 20. Bezirk, wo es nur ganz wenige jüdische Schülerinnen gab. Sie besuchte dort die 2. und 3. Klasse und es waren ihre schönsten Schuljahre.

Die Lage spitzte sich langsam weiter zu. Im Schuljahr 1933/34 kam ich in eine 4. Klasse Knaben in die Treustrasse, deren Lehrer, Leo Lehner, wegen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP außer Dienst gestellt war. Als ich mit dieser Klasse eine Weihnachtsfeier veranstaltete, beschwerte sich nachträglich ein Vaterbei mir, daß ich die rolle des Weihnachtsmannes einem Juden (er war der Intelligenteste der Klasse!) Überlassen hatte1- dann kam der Bürgerkrieg,

Wir hatten eine Woche schulfrei (!) und unser netter roterDirektor wurde pensioniert und ein schwarzer, der uns sagte, die Prügelstrafe sei wieder erlaubt, wurde eingesetzt. Ich gehörte damals zum gluck keinem Lehrerverein an.

Im Sommer wurde Dollfuß ermordet und die Mörder wurden hingerichtet.

Engelbert Dollfuß war ein österreichischer Politiker. Er war von 1931 bis 1933 Landwirtschaftsminister und von 1932 bis 1934 Bundeskanzler, ab 5. März 1933 diktatorisch regierend. Dollfuß war der Begründer des austrofaschistischen Ständestaats.

In Mittersil gab es plötzlich eine Menge heimlicher Nazis.

Mittersill ist eine Stadt im Bundesland Salzburg. Sie ist mit 5804 Einwohnern der größte Ort im Oberpinzgau. Mittersill war bis 2004 Sitz und Teil des Gerichtsbezirks Mittersill und gehört seit 2005 zum Gerichtsbezirk Zell am See. https://www.mittersill.at/


Wenn Dir. Spielmann mit seinen Damen nach Mittersill kam, um Mama zu besuchen, räumte ich Fritz vorsichtshalber aus dem Weg- wir fuhren nach Innsbruck oder ins Ötztal. Die Mittersiller Nazis empfingen Dir.Spielmann immer sehr höflich („…jüdisches Geld stinkt nicht“, sagte Else, Spielmanns Freundin.)

Nun kma für unserer Familie ein arger Schlag: Die NSDAP wurde verboten und die Väterländische Front ins Leben gerufen.


Die Vaterländische Front (abgekürzt VF) war die Einheitspartei in Österreich zur Zeit des autoritären Ständestaats. Sie wurde im Mai 1933 von der Bundesregierung unter Führung von Engelbert Dollfuß gegründet.


Onkel Rudi, als ehemaliger Offizier, war sofort Feuer und Flamme. Fritz betrachtete meinen gelobten Onkel sofort als ärgsten Feind!Fritz weigerte sich natürlich, in der Schule der väterlichen front beizutreten und verlor seine Stellung. D mein Lehrkörper geschlossen beitrat, weigerte ich mich keinesfalls. Fritz unterrichtete nun Privatschüler unter anderen Wilfried Lehner, den Sohn desKollegen, dessen Klasse ich übernommen hatte.

Wilfried war wegen seiner Tätigkeit als Mitglied der NSDAP aus dem Gymnasium ausgeschlossen worden.

Natürlich litt auch das Verhältnis von Fritz zu meiner Mutter, das bis dahin ein Guts gewesen war. Spielmann besuchte uns natürlich weiter an jedem Sonntag.

Einmal hatte wir sogar eine Hausdurchsuchung von Kriminal-Beamten, da Fritz ja als Nazi bekannt war! Er machte aus seiner Gesinnung kein Hehl! Er ging natürlich mit weißen Stutzen (Kennzeichen der Nazis) und wenn er an einem Wachebeamte vorbeiging, pfiff er das verbotene Horst-Wessel-Liede besonders laut.

Das Horst-Wessel-Lied ist ein politisches Lied, das zunächst ein Kampflied der SA war und etwas später zur Parteihymne der NSDAP avancierte. Es trägt den Namen des SA-Mannes Horst Wessel, der den Text zu einem nicht genau geklärten Zeitpunkt zwischen 1927 und 1929 auf eine vermutlich aus dem 19. 

Bei unseren Badeausflügel spielte er es sogar auf der Mundharmonika!

Im Kino gab es noch viele deutsche Filme, z.b.“Reitet für Deutschland“ mit Willi Birgel.

… reitet für Deutschland ist ein 1940/41 gedrehtes Sportlerdrama mit nationalistischenantidemokratischen und antisemitischen Untertönen. Mit der Hauptrolle des Rittmeisters von Brenken spielte Willy Birgel die bekannteste Rolle seiner gesamten Filmkarriere. Der Film wurde am 11. April 1941 in Hannover uraufgeführt. Die Berliner Erstaufführung fand am 30. Mai 1941 statt. Der Film wurde für die Jugend freigegeben.

Fritz hätte sie natürlich gern gesehen, konnte aber die Österreichische Wochenschau nicht ertragen, aber er erlaubte mir, mit meinem Kollegen Leo Lehner diese Filme zu besuchen.



Fritz brachte mir aber auch noch ein Album mit schönen, natürlich verbotenen SSA-Liedern, die ich gerne am Klavier spielte.


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