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....FORTSETZUNG • ANSCHLUß AN DEUTSCHLAND TEIL 2

Aktualisiert: 24. Juni


....Die Arbeitslosigkeit in Österreich wurde immer größer. Als Reinhold 1936 sein Diplom als Ingenieur erhielt, fand er in Wien keine Anstellung, aber in München bekam er sofort in einer großen Firma SAGER und WOERNER eine gute Stelle, obwohl er der NSDAP noch nicht beigetreten war. Wikipedia weiß dies: https://de.wikipedia.org/wiki/Sager_%26_Woerner

Sein Freund Heinz Weinstein konnte als Jude Reinholds Beispiel nicht folgen und mußte als Diplom Ingenieur eine staubsaugervertretung annehmen. Mein Cousin Ludwig blieb nach wie vor arbeitslos. Mein Cousin Friedl Keppert, Diplom architekt, wanderte als engagierter Nazi sogar kurze Zeit ins Untersuchungsgefängnis auf der Rossauer Lände.

Im Herbst 1937, als ich reinhold in Berlin besuchte, es war der sommer, in dem infolge der 1.000 Mark sperre fast keine Fremden in Mittersill waren, traf ich im Zug zufällig meinen Jugendfreund Hermann, den ich vor 14 Jahren verlassen hatte. Er war natürlich begeisteter Nazi und illegales Mitglied der NSDAP! Er war Diplom Ingenieur für Maschinenbau, hatte auch eine passende Anstellung gefunden und war Vertreter für Daimler Wagen!

Der März 1938, die Zeit des Anschlusses an Deutschland, kam immer näher. Knapp vorher sollte eine Volksabstimmung stattfinden, in der wir Lehrer als öffentliche Beamte uns für Österreich entscheiden sollten! Noch dazuwurde von uns verlangt, daß nicht nur wir, sondern auch unsere ehepartner der vaterländischen Front beitreten! So ein ansinnen konnte ich Fritz auf keinen Fall stellen! Was blieb mir übrig? Ich meldete ihn heimlich an und fälschte seine Unterschrift! Ich mußte doch mit meinem Verdienst die Familie erhalten.

Die Vaterländische Front (abgekürzt VF) war die Einheitspartei in Österreich zur Zeit des autoritären Ständestaats. Sie wurde im Mai 1933 von der Bundesregierung unter Führung von Engelbert Dollfuß gegründet.


Kurz vor der Volksabstimmung kam aber der Anschluß!

13.MÄRZ 1938

Es wäre eine Lüge zu behaupten, der Anschluß an Deutschland wäre nicht vom größten Teil des österreichischen Volkes jubelnd begrüßt worden! Beeindruckend für mich waren aber auch Schuschniggs letzte Worte:"Gott schütze Österreich"

Sogar meine liebe Mutter eilte noch um 10 Uhr nachts in Begleitung Annis auf den rathausplatz, um den Jubel mitzuerleben! Fritz war an der Seite seiner SA Männer bei irgend einer Absperrung tätig und zog sich dabei eine Fußverletzung zu, sodaß er die nächsten acht Tage im Bett verbringen konnte!

Selbstverständlich waren wir alle dabei, als Hitler am Heldenplatz seine Begrüßungsrede hielt. Sämtliche Bäume und die zwei Reiterdenkmale waren von Begeisterten dicht besetzt! Auf dem Heldenplatz stand eine ungeheure Menge Mann an Mann!

Am nächsten Tag war auf der Ringstraße eine Heeresschau zu sehen. Da ich gegen Waffen immer eine abneigung hatte ging ich nicht hin. Ich will nur erzählen, wie sich der Anschluß in meinem Bekanntenkreis auswirkte.

Fritz erhielt seine Anstellung zurück und da der Mann meiner Freundin Paula Neidhart als Illegaler sofort Bezirksschulinspektor wurde und im Stadtschulrat sofort großen Einfluß hatte, bot er Fritz eine stelle als Hauptschullehrer für Englisch an, Fritz hätte nur eine Prüfung nachzuholen! (Fritz aber machte grundsätzlich keine Prüfungen-trotz seines großen Wissens!) Aber noch war Fritz begeisteter Nazi! Im Mai wurde er als illegaler SAMANN (Bedeutungen: [1] Nationalsozialismus: Angehöriger der Sturmabteilung, einer paramilitärischen Truppe der NSDAP. Herkunft: Determinativkompositum aus der Abkürzung SA, einem Bindestrich - und dem Substantiv Mann) auf 14 Tage nach Iserloh eingeladen, im Sommer war er eine Woche beim Sängerfest in Stuttgart und -wie könnte es anders sein? Ende August beim Parteitag in Nürnberg.

Da die Unterschrift des Vaters nun genügte, um die Religion des Kindes zu ändern, wurde Traudi evangelisch. Ich widersetzte mich nicht. Nur eines gelang ihm nicht: mich zu überreden, der NSDAP beizutreten! Er hatte es schon während der Verbotszeit immer wieder versucht, aber da blieb ich hart! Als Lehrer mußten nun Fritz und ich einen Arier-Nachweis (Eltern und Großeltern mußten rein arisch sein) erbringen. Wir legten einen Ahnenpaß an und übergaben die notwendigen Dokumente dem Stadtschulrat. Den Ahnenpaß anzulegen machte mir großes Vergnügen. Ich schrib an entlegene Pfarren in Niederösterreich und Böhmen (CSR) und erhielt auch die abschriften einiger Taufscheine meiner Ur- und Ururgroßeltern! das älteste Dokument reichte bis 1750!

HILDE: Zu allersrst hatten wir drei Wochen Ferien, die ich mit Traudi und Mama im Kamptal bei Onkel rudi verbrachte. Fritz hatte Anni zu seiner Betreuung. In meiner Schule waren deutsche Soldaten einquartiert. Als ich nach drei Wochen mein Klassenzimmer wieder betrat, erlitt ich einen Schock. Ich hatte an der Wand ein Plakat hängen: Eine schöne Landschaft mit dem Text unserer Bundeshymna von Ottokar Kernstock


"Sei gesegnet ohne Ende, Heimaterde wunderhold!"

Es war dick verschmiert und "JUDENSAU" darübergeschrieben!


Dies wurde gestrichen

  

Laßt, durch keinen Zwist geschieden,

Uns nach einem Ziele schau’n,

Laßt in Eintracht und in Frieden

Uns am Heil der Zukunft bau’n!

Uns’res Volkes starke JugendWerde ihren Ahnen gleich,

Sei gesegnet, Heimaterde,Gott mit dir, mein Österreich!


Nun, das erhöhte meine Liebe zu den "deutschen" Brüdern nicht. Da Fritz mit seiner SA völlig ausgelastet war, hatte ich viel Zeit und konnte mit Hermann eine schöne Reise durch Deutschland machen.


In der schule blieb vorerst alles unverändert, da mein Direktor so wie ich parteilos war. An einigen Schulen wurde natürlich, so wie 1934, die direktion umgetauscht. jetzt wurden die "Schwarzen" gegen "Braune" vertauscht. ich betreute meine jüdischen Schüler genau so liebevoll wie bisher. Aber im Herbst 1938 kamen plötzlich alle jüdischen Schüler in eine eigene Schule und meine Klasse wurde leider mit anderen Schülern, die nicht so gut und fleißig waren wie meine kleinen Juden, wieder aufgefüllt! Da auch die Schule in der Grüntorgasse wieder rein arisch war, durfte Traudi die 4. Klasse in der Schubertschule besuchen.







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