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BRIEFE VON 1954 AUS REITH IN TIROL

Aktualisiert: 30. März

Mein liebes, armes Vallychen!    Reith, 19.08.1954


Der Brief ist von Vally Heidt an meine Mutter Valerie, von ihrer Tante, der Schwester ihres Vaters, Karl M Heidt .


Über Deinen lieben Brief vom 14. habe ich mich zwar einerseits sehr gefreut, bin aber doch sehr erschrocken, da ich keine Ahnung hatte, dass Du mit den Mandeln zu tun hattest. Nun ist ja das Ärgste überstanden und ich bin überzeugt, dass du Dich viel kräftiger und widerstandsfähiger fühlen wirst, als vorher.

Unsere Karte mit dem Sturms habt Ihr ja sicher schon längst. Es war urgemütlich die beiden Tage mitsammen; einer voll Sonne, der zweite untermittelprächtig, aber doch so, dass wir was unternehmen konnten.

Leider liegt die arme Tante Anna seit gestern mit einer leichten Venenentzündung; ich dränge darauf, dass sie einen Blauverband kriegt, dass man ohne Sorge sein kann.Aber es ist, so scheint es wirklich nur ganz leicht und auch der Arzt hat das so konstatiert.

Nun danke ich Dir schön für die Übersendung des Schmähartikels über unsern Ahnherrn. Ich spüre aus Deinen Worten die Befremdung etc, was für ein Mensch er war. Ich kann dich da aber ganz beruhigen. Ich habe nach langem und ernsten  Studium seiner Biografie so gut herausgefunden, wie überhaupt möglich, was und wie er war. Soweit das Menschen anderer Generationen überhaupt können. So, wie ihn der Schmierer Siegfried Weyr hinstellt, war er durchaus nicht und kommt auch in keiner Andeutung seiner Zeitgenossen vor. Ich habe mich in meinem Artikel sehr bemüht, ohne Lobhudelei, aber natürlich auch ohne Gehässigkeit, von ihm zu sprechen und ist alles belegt, was ich geschrieben habe.

Beiliegend auch ein anderer Artikel, habe keine Ahnung von wem, der ebenfalls sich mit Tatsachen begnügt und nicht, wie im Kurier bloss oder aber vor allem mit Sensationen aufgewartet, um der breiten Masse ein Vergnügen zu machen. Viele als wirklich aufgetischte Geschichten sind unwahr, aufgebauscht oder aber gar nicht ihm zuzuschreiben, sondern ein unverantwortliches Besudle eines Schmieranten der Zeilen schindet. 

# scheinbar letztklassigen „Blättern“ von damals entnommen und dazu erfunden; Hausmeisterklatsch und vollkommen unseriös.


Ich habe eigentlich vor das Ganze einem Anwalt zu übergeben wegen Rufmord, aber hier sagen alle, ich soll dem Mistkerl nicht diese Freude machen; und eine Berichtigung erfolgt dann nur ganz kurz und klein und wir meistens übersehen in einer Zeitung. Auch sind viele Widersprüche, die auch bei flüchtigem Lesen auffallen. Eines aber kann er nicht leugnen, dass er der Urgrossvater, ein großartiger Theatermann war. Auch hätte die strenge und überkorrekte Erzherzogin Sophie, die Mutter von Kaiser Franz Josef, sich bestimmt nicht so für ihn eingesetzt, wenn er so ein Filou gewesen wäre. Spricht schon der Hinweis zu Beginn: 2Er war ein lediges Kind.“ (Was garnicht den Tatsachen entspricht, für die miserable Gesinnung des Journalisten, denn diese Tatsache könnte man doch schliesslich nicht ihm zur Last legen. Auch war er kein Hochstapler, wie im Titel behauptet wird; aber dann im Text sagt er weiter, dass sein Vater einer gewesen wäre und nicht er, was wiederum zu Missdeutungen führen kann.


Richtig ist, daß seine Mutter eine Halbjüdin war (nicht erst er) So ein winziger Spritzer Judenblut aber ist, wie Sven Hedin https://de.wikipedia.org/wiki/Sven_Hedin

sagt, bei dem es ebenso ist, nur von Vorteil, so wie Sauerteig im Blut und für Euch (Dich, Friedl und Karl) kaum mehr vorhanden : 1/64.

Von Liesel hörte ich, dass Karl (der Bruder meiner Mutter Valerie auch ein Karl M. Heidt, der 3. nämlich) also seinen Doktor hat! Ist ja fein! Ist Mami zu ihm gefahren zur Promotion? Und wie geht es ihr mildem Bein? Ich lasse sie und Herrn Kopper recht herzlich grüßen.

Alles Liebe und Herzliche und bitte gib mir gelegentlich in Wien die beiden Artikel wieder zurück, weil ich sie aufhebe.


Deine Tante Vally


Mehr über Valerie Reichert-Heidt: https://www.wikidata.org/wiki/Q95673489


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