ERDMANDLN & SALIGE
- 10. Aug.
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Erdgeister sind in Sagen, Volksglauben und Mythologie Naturwesen, die mit Erde, Felsen, Höhlen, Bergen, Quellen und verborgenen Schätzen verbunden sind. Sie gelten oft als Wesen „unter der Erde“ und werden als Hüter eines Ortes oder seiner natürlichen Kräfte verstanden.
Im mitteleuropäischen und besonders alpinen Raum begegnen sie in unterschiedlichen Gestalten: Zwerge, Berggeister, Wichtel, Kobolde oder Erdmandln. Manche helfen Menschen, andere schützen ihr Gebiet und reagieren empfindlich darauf, wenn die Natur gestört oder respektlos behandelt wird.
Interessant ist die alte Vorstellung, dass Quellen Übergangsorte seien: Das Wasser kommt aus dem unsichtbaren Inneren der Erde an die Oberfläche. Deshalb wurden Quellen vielerorts nicht nur als Wasserspender, sondern als besondere, manchmal heilige Orte betrachtet. Erd- und Wasserwesen überschneiden sich in solchen Überlieferungen häufig.
Das Wort selbst ist sehr bildhaft: Erde + Geist – also eine unsichtbare oder personifizierte Kraft, die einem bestimmten Stück Landschaft innewohnt.
Gerade im österreichischen und alpinen Volksglauben gibt es eine faszinierende Welt kleiner Naturwesen. „Erdgeister“ ist dabei weniger die Bezeichnung für eine einzige klar definierte Gestalt als ein Sammelbegriff für Wesen, die im Berg, unter Steinen, in Höhlen, im Wald oder in der Nähe von Quellen gedacht wurden.

In österreichischen Sagen findet man Erdmandln oder Bergmandln – kleine menschenähnliche Wesen, die im Inneren der Berge leben. Sie kennen verborgene Gänge, Erze, Wasseradern und Schätze. Oft sind sie nicht grundsätzlich böse oder gut. Entscheidend ist vielmehr, wie der Mensch ihnen und ihrem Ort begegnet.
Daneben kennt der Alpenraum die Saligen Frauen – geheimnisvolle weibliche Naturwesen. Sie werden mit Bergen, Wäldern, Höhlen und teilweise auch Gewässern verbunden. In manchen Überlieferungen helfen sie Menschen; verschwinden aber, wenn ihre Regeln missachtet werden.
Quellen waren besondere Orte
Eine Quelle besitzt in dieser Vorstellungswelt eine außergewöhnliche Bedeutung. Man sieht das Wasser nicht entstehen – es tritt plötzlich aus der Erde hervor.
Für Menschen früherer Zeiten musste das beinahe geheimnisvoll wirken:
Unter der Erde verborgen, durch Stein und Fels geführt, tritt etwas Lebensspendendes ans Licht.
Deshalb wurden Quellen häufig mit Quellgeistern, Nymphen, heilkräftigen Wesen oder später auch Heiligen und Marienverehrung verbunden. Vorchristliche Vorstellungen und christliche Bräuche konnten sich dabei über Jahrhunderte miteinander vermischen.

Der „Geist des Ortes“
Dazu passt ein noch älterer Gedanke: der lateinische Genius loci, der „Geist eines Ortes“. Gemeint ist ursprünglich tatsächlich eine schützende göttliche Wesenheit eines bestimmten Platzes. Heute verwenden wir den Ausdruck meist übertragen für die besondere Atmosphäre, die nur genau dieser Ort besitzt.




