WAS IST IN DER TIEFKÜHLTRUHE ?
- 10. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Eine Truhe war über Jahrhunderte das Herzstück eines Hauses. Lange bevor Kleiderschränke selbstverständlich wurden, bewahrte sie Kleidung, Wäsche, Urkunden und Erinnerungen. Mit jeder Generation füllte sie sich nicht nur mit Gegenständen, sondern auch mit Geschichten – und wurde so zu einem stillen Zeugen des Lebens ihrer Besitzer.

EINE BEMALTE HOCHZEITSTRUHE
Auf den ersten Blick wirkt diese Truhe wie eine klassische bemalte Bauern- oder Aussteuertruhe des Alpenraums. Solche Truhen dienten über Jahrhunderte als Aufbewahrungsort für Kleidung, Wäsche, Urkunden und persönliche Wertgegenstände und begleiteten ihre Besitzer oft ein Leben lang.
Charakteristisch sind die klare Kastenform mit Klappdeckel sowie die reich bemalte Vorderseite. Gedrehte Säulen gliedern die drei Bildfelder – ein Gestaltungselement, das besonders in der Barockzeit und in der alpenländischen Volkskunst beliebt war. Der grüne Grundton, kombiniert mit Ocker, Rot, Weiß und Schwarz, findet sich häufig bei Bauernmöbeln aus Österreich, Süddeutschland und Südtirol.
Besonders auffällig sind die symmetrisch angeordneten Tulpen- und Blumenmotive. Tulpen galten im 18. und frühen 19. Jahrhundert als Sinnbilder für Wohlstand, Liebe und Fruchtbarkeit. Im mittleren Feld befand sich vermutlich ursprünglich ein Wappen, ein Herzschild oder eine Inschrift mit den Initialen des Brautpaares sowie einer Jahreszahl. Heute erscheint dieser Bereich stark abgegriffen oder später überarbeitet.
Mit etwas Fantasie lassen sich im Zentrum zwei Vögel oder Figuren unter einem Baum beziehungsweise einem Herzmotiv erkennen. Solche Darstellungen hatten häufig symbolischen Charakter und standen für Treue, Eheglück, Fruchtbarkeit oder den Lebensbaum als Zeichen des Schutzes.
Nach Stil und Bemalung dürfte die Truhe aus dem österreichischen Alpenraum stammen – möglicherweise aus Kärnten, Salzburg, Tirol oder Oberösterreich. Da sie auf der Hollenburg erhalten geblieben ist, erscheint eine Herkunft aus Kärnten durchaus plausibel.
Eine vorsichtige Datierung spricht für die Zeit zwischen etwa 1780 und 1850. Sollte sich nachweisen lassen, dass die Bemalung original erhalten ist und die Truhe über Generationen zur Hollenburg gehörte, wäre sie nicht nur ein schönes Beispiel alpenländischer Volkskunst, sondern zugleich ein kulturhistorisch bedeutendes Zeugnis der Burggeschichte.

EINE DOPPELADLERTRUHE
Diese Truhe unterscheidet sich deutlich von der ersten. Sie wirkt repräsentativer, älter und kunsthistorisch besonders interessant.
Das beherrschende Motiv ist der schwarze Doppeladler – über Jahrhunderte das Hoheitszeichen des Heiligen Römischen Reiches und später der Habsburgermonarchie. Auf Bauernmöbeln symbolisierte er häufig Schutz, Treue zum Landesherrn und Wohlstand.
Die dreigeteilte Front wird von schmalen Ornamentleisten eingefasst. Die durchbrochen wirkenden Ranken und Spitzbogenformen erinnern an spätgotische Vorbilder, obwohl die Bemalung wahrscheinlich jünger ist. Solche Motive finden sich vor allem in Kärnten, Tirol und Süddeutschland.
Die erhaltenen Farbreste in Schwarz, Rot und Ocker wirken weitgehend historisch und lassen vermuten, dass zumindest Teile der ursprünglichen Fassung erhalten geblieben sind.
Stilistisch dürfte die Truhe zwischen dem späten 17. und der Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Einzelne Gestaltungselemente greifen sogar Vorbilder des 16. Jahrhunderts auf.
Sollte sich eine lange Zugehörigkeit zur Hollenburg nachweisen lassen, wäre diese Truhe weit mehr als ein Möbelstück – sie wäre ein eindrucksvoller Zeitzeuge der Habsburgerzeit und der regionalen Volkskunst.

EINE DATIERTE HOCHZEITSTRUHE VON 1783
Diese datierte Bauerntruhe gehört zu den schönsten Zeugnissen bäuerlicher Volkskunst des ausgehenden 18. Jahrhunderts.
Im Zentrum scheint die Jahreszahl 1783 zu stehen. Links und rechts davon befinden sich Herzen mit Monogrammen, die wahrscheinlich auf das Brautpaar oder die ersten Besitzer hinweisen.
Das mittlere Feld zeigt vermutlich ein Herz mit Kreuz oder das Heiligste Herz Jesu – ein im 18. Jahrhundert besonders verbreitetes Symbol des katholischen Glaubens. Die geschnitzten Säulen erinnern an Weinreben oder Weintrauben und stehen sinnbildlich für Fruchtbarkeit, Wohlstand und das Abendmahl.
Diese Truhe entstand in einer Zeit des Übergangs vom Barock zum Frühklassizismus. Sie verbindet noch die reiche Symbolsprache der Volkskunst mit einer bereits klareren Gestaltung.
Herzen, Kreuz und Monogramme erzählen von Glaube, Verbundenheit und dem Beginn eines gemeinsamen Lebens. Solche Truhen wurden häufig über Generationen weitergegeben und bewahrten Kleidung, Urkunden und Erinnerungen einer Familie.
Auch heute erinnert sie auf der Hollenburg an die Menschen, die hier einst lebten und ihre Geschichte in bemalten Möbeln verewigten.

Das seitliche Motiv – ein roter Kreis mit einer sechsblättrigen schwarzen Rosette – ist besonders interessant. Solche Rosetten gehören zu den ältesten Schutzsymbolen des Alpenraums.

EINE MARIENTRUHE VON 1838
Diese Truhe zählt zweifellos zu den kunsthistorisch bedeutendsten Stücken der Sammlung. Sie verbindet bäuerliche Handwerkskunst mit tiefer religiöser Symbolik.
Über dem Schloss ist deutlich die Jahreszahl 1838 zu erkennen. Damit handelt es sich um ein datiertes Original aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Im Mittelpunkt steht die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind – Sinnbild für Schutz, Hoffnung und familiären Zusammenhalt. Solche volkstümlichen Marienbilder waren besonders in Kärnten, Tirol und Salzburg weit verbreitet.
Links und rechts rahmen prachtvolle Blumenvasen die zentrale Darstellung ein. Sie stehen als Sinnbilder für Leben, Wachstum und göttlichen Segen und verleihen der Truhe einen repräsentativen Charakter.
Die geschwungenen Abschlüsse der drei Bildfelder weisen bereits auf den Biedermeier hin, während die Malerei noch deutlich in der barocken Volkskunst verwurzelt ist. Gerade dieser Übergang zwischen zwei Stilepochen macht die Truhe besonders reizvoll.
Sollte sie seit langer Zeit zur Hollenburg gehören, dokumentiert sie eindrucksvoll, wie eng religiöse Volkskunst und das tägliche Leben früherer Generationen miteinander verbunden waren. Sie zeigt, dass selbst Gebrauchsgegenstände einst Träger persönlicher Hoffnungen, religiöser Überzeugungen und familiärer Erinnerungen waren.

DIE SCHLICHTE FLADERTRUHE
Auf den ersten Blick erscheint diese Truhe wesentlich schlichter als die vorhergehenden. Gerade diese Zurückhaltung macht jedoch ihren besonderen Reiz aus.
Die drei hochrechteckigen Felder entsprechen einem Typus alpenländischer Bauerntruhen des frühen 18. Jahrhunderts. Das handgeschmiedete Schloss wurde vermutlich von einem Dorfschmied gefertigt und liefern wichtige Hinweise für die Datierung.
Die graue Oberfläche könnte ursprünglich eine Fladermalerei gewesen sein. Bei dieser beliebten Maltechnik wurde die Maserung kostbarer Hölzer mit Farbe täuschend echt nachgeahmt. Besonders im 18. und 19. Jahrhundert war diese Technik im gesamten Alpenraum weit verbreitet.
Die Truhe dürfte zwischen 1700 und 1760 entstanden sein; eine spätere Überarbeitung der Bemalung ist jedoch nicht auszuschließen.
Sie erzählt vom einfachen Alltag vergangener Jahrhunderte. Ihre klare Form und die zurückhaltende Gestaltung spiegeln die hohe Handwerkskunst der ländlichen Möbelmalerei wider und stehen stellvertretend für die vielen Generationen, die auf der Hollenburg lebten, arbeiteten und ihre wenigen wertvollen Besitztümer sorgfältig verwahrten.

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