VIKTORIA, KUTSCHEN und PFERDE
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Über ein holpriges Steinpflaster aus rund geschliffenen Flusssteinen gelangt man nach dem Durchschreiten des imposanten Eingangstores als erstes in den Bereich der Pferde. Links führt der Weg hinunter in den Stalltrakt, der sich zwar im vermeindlichen Keller befindet, jedoch nur teilweise unter der Erde liegt. Dadurch fällt ausreichend Tageslicht in die Stallungen und schafft eine helle, freundliche Atmosphäre.

Großzügigen Boxen bieten Platz für etwa sechs Pferde. Angenehme Kühle, viel Raum und die dicken Mauern sorgen selbst an heißen Sommertagen für ein ausgeglichenes Klima.
Besonders beeindruckend ist der vermutlich jahrhundertealte Boden aus Holzstöckelpflaster. Er dämpft das Geräusch der Hufe auf eine beinahe wohltuende Weise – ganz gleich, ob die Pferde mit oder ohne Hufeisen unterwegs sind. Statt lautem Klappern erklingt nur ein gedämpftes, ruhiges Auftreten, das den historischen Charakter dieses Ortes auf besondere Weise unterstreicht.

Holzstöckelpflaster (auch Holzpflaster oder Hirnholzparkett genannt) ist ein robuster Bodenbelag, der aus rechtwinkligen oder runden Holzklötzen besteht, die so verlegt werden, dass die Fasern senkrecht nach oben stehen (sogenanntes Hirnholz oder Stirnholz). Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde es in europäischen Großstädten flächendeckend als Straßenbelag genutzt, da es im Vergleich zum damals üblichen Steinpflaster enormen Schallschutz bot und Erschütterungen abdämpfte.
Der Wechsel von Stein- auf Holzpflaster in den Innenstädten hatte handfeste, praktische Gründe für das damalige Stadtleben:
Enorme Lärmreduzierung: Hufeisen und eisenbeschlagene Wagenräder erzeugten auf normalem Kopfsteinpflaster ohrenbetäubenden Lärm. Holz schluckte diesen Schall fast vollständig und sorgte für Ruhe in den Wohn- und Prachtstraßen.
Schutz vor Erschütterungen: Die Elastizität des Holzes dämpfte Stöße ab. Das schonte nicht nur die Gelenke der Pferde und die Wagenachsen, sondern schützte auch sensible Erschütterungs-Instrumente in angrenzenden Universitäten oder Fabriken vor Vibrationen.
Geringes Eigengewicht: Auf Brückenkonstruktionen war Holzpflaster deutlich leichter als massives Steinpflaster, was die Tragwerke entlastete.
Hohe Druckfestigkeit: Da das Holz stehend (aufrecht) verbaut wurde, konnte es das Gewicht schwerer Lastwagen und Maschinen extrem gut aufnehmen, ohne zu splittern.
HAFLINGER AUF DER HOLLENBURG
sind weit mehr als ein schöner Anblick – sie gehören zu den bedeutendsten Kapiteln der österreichischen Pferdezuchtgeschichte. Heute steht die Zucht still und auch Haflinger kann ich keine entdecken. Umso beeindruckender ist die Geschichte dahinter, die ich erfahre.
Zwischen den alten Mauern der Hollenburg schlägt seit über hundert Jahren nicht nur das Herz der Geschichte, sondern auch das der Pferdezucht. Hier entstand ab 1924 eine Haflingerlinie, die weit über Kärnten hinaus bekannt wurde. Generationen von Pferden wuchsen auf den Wiesen rund um die Burg auf. Ihre Kraft, ihre Ausdauer und ihr sanftes Wesen machten die Hollenburger Haflinger zu Botschaftern einer Zucht, die bis heute als Ursprung der Kärntner Haflinger gilt. Wer heute durch die historischen Stallungen geht, spürt noch immer etwas von dieser besonderen Verbindung zwischen Mensch, Pferd und Burg.
Bereits 1924 begann die Familie Maresch auf der Hollenburg mit der Haflingerzucht. Sie brachte hochwertige Haflinger aus Südtirol nach Kärnten und legte damit den Grundstein für das, was später als die Wiege der Kärntner Haflingerzucht bezeichnet wurde. (pferde-kaerntenaustria.at)
Besonders bemerkenswert war:
Es wurden 452 Fohlen sorgfältig dokumentiert – von der Geburt bis zu ihrem weiteren Lebensweg.
Jeder Haflinger wurde nicht nur gezüchtet, sondern auch geritten oder gefahren. Dadurch entstand eine leistungsstarke, vielseitige Pferdelinie.
Die Hollenburger Haflinger galten als edel, ausdauernd, trittsicher und charakterstark. Sportreiter schätzten sie besonders wegen ihrer Leistungsbereitschaft und Härte. (pferde-kaerntenaustria.at)
Auch die Burg selbst war eng mit dieser Geschichte verbunden. Die Stallungen, die weiten Weiden rund um die Hollenburg und die ideale Landschaft des Rosentals boten hervorragende Bedingungen für die Aufzucht der Pferde. Im Austria-Forum wird ausdrücklich erwähnt, dass auf der Burg eine moderne Haflingerzucht untergebracht ist. (austria-forum.org)
VIKTORIA ist die Bezeichnung für einen Kutschentyp. Sie geht zurück auf den namhaften englischen Wagenbauer Cooper, der 1869 anlässlich des Einzuges der britischen Königin Victoria und des Prince of Wales diesen Wagentyp geschaffen haben soll. Seitdem hieß ein Mylord (die klassische Mylord besaß einen festen Bock für den Kutscher) mit leichtem, meist abnehmbarem Kutschbock, der in der Regel auf einem Eisengestänge befestigt war, Victoria. Jedoch hatte es in Paris schon früher Wagen gegeben, die auch als Victoria-Kalesche bezeichnet wurden.
Geradeaus geht es weiter in den Fuhrpark der Kutschen. Ein wenig verstaubt aber trotzdem imposant gehe ich an den zahlreichen Kutschen, Jagdwagen, Viktoria Kutschen und Schlitten vorbei. Auf Bildern und Fotos sehen wir sie im vergangenen Einsatz bei Festen, Jagden oder weiteren Präsentations Ereignissen.
BEWAHRER UND GESTALLTER DER HOLLENBURG
Mit der Familie Maresch begann für die Hollenburg ein neues Kapitel. Aus einer historischen Burg wurde zugleich ein Ort lebendiger Landwirtschaft und Pferdezucht. Hans und Christl Maresch machten das Gestüt Hollenburg weit über Kärnten hinaus bekannt. Mit großem Fachwissen, Liebe zu den Tieren und einem klaren Zuchtziel entstand hier eine Haflingerlinie, deren Ruf bis heute nachwirkt. Die Hollenburg wurde dadurch nicht nur ein Denkmal österreichischer Geschichte, sondern auch eine Wiege der Kärntner Haflingerzucht. Hinter diesem Erfolg standen Menschen mit Weitblick, Verantwortungsgefühl und einer tiefen Verbundenheit zu ihrer Heimat und ihren Pferden. Die Familie Maresch hat die Geschichte der Burg Hollenburg und der Kärntner Haflingerzucht nachhaltig geprägt.
1923 kam die Burg Hollenburg im Erbweg von der Familie Wittgenstein an die Familie Maresch. Unter ihrer Führung wurde die Burg nicht nur als historisches Anwesen erhalten, sondern entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zentren der österreichischen Haflingerzucht. Später ging die Hollenburg in den Besitz der Familie Kyrle über. (austria-forum.org)
Hans Maresch – Pionier der Kärntner Haflingerzucht
ÖR Hans Maresch gilt als einer der Begründer der organisierten Haflingerzucht in Kärnten.
Seine wichtigsten Leistungen:
Bereits 1924 begann er auf der Hollenburg mit der Haflingerzucht.
Er importierte hochwertige Haflinger aus Südtirol, dem Ursprungsland der Rasse.
Mit dem Kauf des Haflingerfohlens „Blass“ wurde der Grundstein für eine außergewöhnliche Zucht gelegt.
Die Hollenburger Pferde wurden konsequent auf Leistung gezüchtet – jedes Pferd wurde geritten oder gefahren.
Insgesamt wurden 452 Fohlen lückenlos dokumentiert – ein außergewöhnliches Zuchtarchiv. (pferde-kaerntenaustria.at)
In der Haflingerliteratur wird häufig von Hans und Christl Maresch gesprochen. Gemeinsam führten sie das Gestüt mit großer Leidenschaft. Ihre Pferde waren für ihren eleganten Typ, ihre Trittsicherheit, Leistungsbereitschaft und ihren ausgeglichenen Charakter bekannt. Viele Sportreiter sprechen noch heute mit großer Anerkennung von den „Hollenburger Haflingern“. (pferde-kaerntenaustria.at)
MENSCHLICHES ENGAGEMENT
Hans Maresch war nicht nur Pferdezüchter. Während der NS-Zeit setzte er sich für ausgesiedelte Kärntner Slowenen ein. Zwischen 1943 und 1944 erreichte er die Entlassung von rund 30 Familien aus der Internierung und vermittelte vielen von ihnen Arbeit. Dieses Engagement wird in der Kärntner Zeitgeschichte ausdrücklich erwähnt.
Geradeaus führt der Weg weiter in den Fuhrpark der historischen Kutschen. Ein Hauch von Staub liegt über den Fahrzeugen, als hätten sie sich nach ihrer letzten Fahrt zur Ruhe gesetzt. Dennoch strahlen sie eine beeindruckende Würde aus und erzählen von vergangenen Jahrhunderten.
Langsam gehe ich an den zahlreichen Kutschen vorbei – an eleganten Viktoriakutschen, robusten Jagdwagen und kunstvoll gefertigten Schlitten, die einst durch verschneite Winterlandschaften glitten. Jede einzelne scheint ihre eigene Geschichte zu bewahren.
Alte Fotografien bei den Kutschen lassen diese Geschichte wieder lebendig werden. Sie zeigen die Kutschen im Einsatz bei festlichen Umzügen, auf Jagden oder bei repräsentativen Anlässen. Plötzlich entsteht vor dem inneren Auge ein Bild von prächtig gekleideten Damen und Herren, vom Klappern der Pferdehufe auf dem Pflaster und vom Stolz der Kutscher, die ihre Gespanne sicher durch die Landschaft lenkten.
Heute stehen die Wagen still. Doch sie wirken keineswegs vergessen. Sie warten geduldig darauf, ihre Geschichten den Menschen zu erzählen, die bereit sind, einen Moment innezuhalten und mit etwas Fantasie in eine längst vergangene Zeit einzutauchen.




















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