WIE WIRD ER HEISSEN?
- 3. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Soll er Ernst getauft werden?
Mödling an einem sommerwarmen Abend im August. Die Aufführung findet auf dem Kirchenplatz vor der ehrwürdigen St.-Othmar-Kirche in Mödling statt. Zwischen den alten Mauern, dem historischen Karner und mächtigen, jahrhundertealten Bäumen entsteht eine Kulisse, wie sie schöner kaum sein könnte.
Geschickt platzierte Zuschauertribünen fügen sich harmonisch in das historische Ambiente ein und bieten beste Sicht auf die Bühne. Da der Platz am Abend weitgehend im Schatten liegt, verspricht schon der Spielort einen angenehmen Sommerabend – und die perfekte Atmosphäre für ein ebenso unterhaltsames wie außergewöhnliches Theatererlebnis.
Meine Catherine – Schauspielerin und großartige Frau und ein seltener Schatz.
Diesmal war ich pünktlich. Im Gegensatz zum letzten Jahr, als ich zu spät gekommen war und ein Jahr lang warten mußte, wieder ein Theaterstück mit Catherine sehen zu können. Gemeinsam mit Fritz und Helmut nahmen wir diesmal unsere Plätze in der achten Reihe ein und freuten uns auf Oscar Wildes zeitlose Komödie „Bunbury – Ernst sein ist alles“, aufgeführt im Sommertheater Mödling.
The Importance of Being Earnest wurde am 14. Februar 1895 im Londoner St. James Theatre uraufgeführt und zählt bis heute zu den brillantesten Komödien Oscar Wildes. Seine scharfsinnigen Wortspiele und sein feiner Humor haben nichts von ihrer Aktualität verloren.
Von ihm stammen auch einige der berühmtesten Zitate der Weltliteratur:
„Ich kann allem widerstehen, außer der Versuchung.“
Oder:
„Sei du selbst; alle anderen sind schon vergeben.“
Und eines meiner Lieblingszitate:
„Leben ist die seltenste Sache der Welt. Die meisten Menschen existieren, das ist alles.“
Doch an diesem Abend war für mich nicht Oscar Wilde der eigentliche Star.
Das rot-schwarze Bühnenkostüm mit Korsage, Spitzenhandschuhen, Netzstrumpfhose und der kunstvoll verzierten Maske verleiht ihr eine elegante, verspielte Ausstrahlung – ganz im Stil einer klassischen Komödie oder eines Maskenballs. Ihr herzliches Lächeln und die selbstbewusste Haltung zeigen, wie sehr sie sich an diesem Tag freute uns zu sehen.

Es war Catherine.
Unsere persönliche Hauptdarstellerin. Meine Favoritin.
Als Gwendolen – die junge Frau, die sich in einen Mann verliebt, der unbedingt Ernst heißen muss – spielte sie eine Rolle, die wie für sie geschaffen scheint. Man sagt gerne: „wie auf den Leib geschrieben.“
Die Redewendung stammt aus einer Zeit, als Schneider Kleidungsstücke direkt am Körper eines Menschen anpassten, bis sie vollkommen saßen. Heute beschreibt sie Rollen oder Aufgaben, die so gut zu einem Menschen passen, als wären sie eigens für ihn geschaffen worden.
Und genau dieses Gefühl hatte ich an diesem Abend.
Wir kennen Catherine, seit sie auf der Welt ist – eigentlich schon, bevor sie geboren wurde. Sie fand ihren Weg aus unserem nahen Umfeld in ihre eigene Welt und geht ihn mit beeindruckender Konsequenz.
Ihr ansteckendes Lachen, ihr trockener Humor und dieses besondere Maß an ehrlicher Selbstreflexion ließen das Publikum immer wieder herzlich lachen. Zwischen den Dialogen versteckte sich feine Ironie, kleine Gesten sagten oft mehr als Worte, und selbst das stolze Verlassen einer Szene hatte eine Natürlichkeit, die man nicht spielen kann.
Es war eine Darstellung voller Leichtigkeit, Charme und Präsenz.
Natürlich wollten wir ihr nach der Vorstellung gratulieren. An einem zuvor vereinbarten, fast geheimen Treffpunkt beim Ausgang der Künstlergarderoben trafen wir sie wieder. Es war schön, ihre Freude zu sehen, sie in den Arm zu nehmen und für einen kurzen Moment die besondere Energie zu spüren, die sie ausstrahlt.

Diese Atmosphäre zwischen Schauspielern und ihrem Publikum hat etwas Einzigartiges. Sie entsteht nur im Theater – dort, wo Menschen gemeinsam lachen, staunen und mitfiebern.
Gerade deshalb empfinde ich solche Begegnungen heute als etwas Besonderes.
In einer Zeit, in der fast jedes Erlebnis sofort fotografiert, gefilmt und in den sozialen Medien geteilt wird, vergessen wir manchmal, einfach den Augenblick zu genießen. Wirklich dabei zu sein. Nicht, um anderen später zu zeigen, dass wir dort waren, sondern um den Moment für uns selbst zu erleben.

An diesem Abend ist das gelungen.
Und genau deshalb wird er mir in Erinnerung bleiben.
Danke, liebe Catherine, daß wir Dich in die Welt des Theaters begleiten durften.




