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SÄBEL UND FISOLEN

KAPITEL 2 .....obwohl die Kinder von einem netten Kinderfräulein beaufsichtigt wurden, verbreiteten Heini und Gottfried nur Schrecken!

Sie stürzten von Misthaufen in den Schweinestall und mußten daraus wieder befreit werden, sie ruinierten durch endloses Pumpen unseren Brunnen, der im Hof stand, zerbrachen unsere sämtlichen Wassergläser beim ständigen trinken, sie quälten heimlich meinen kleinen Bruder, und wenn er schrie, sagten sie, er sei eine Knautschen. Sie jagten die Hühner, daß sie sogar auf den gedeckten Jausentisch flogen, brachen vom Apfelbaum einen Ast ab, schüttelten den Birnbaum im Hof so lange bis keine Birne mehr drauf war, und so fort... Karl verprügelte sie ab und zu, erreichte aber keine Besserung sondern nur ohrenbetäubendes Kampfgeschrei! Wie nezz sie dann unter Tante Valeries Anleitung den Namestag meiner Mutter Christine feierten, und dabei alle zerbrochenen Wassergläser, gefüllt mit kleinen Aufmerksamkeiten, ersetzten, habe ich Dir ja bereits geschicldert. Daß der kleine, wilde Gottfried dabei den "Handschuh" so eindrucksvoll deklamierte, mußte man ihm hoch anrechnen. Sicher auch ein Verdienst Deiner lieben Mutter!- Von nun an waren also unsere Familien eng verbunden. Wir verbrachten alle Sommer gemeinsam und pflegten auch im Winter regen Verkehr. Wenn ich an Deine liebe Mutter zurückdenke, so leuchten einige Erinnerungsbilder vor mir auf:


Zum Beispiel Hohenberg, wo wir den Sommer 1916 gemeinsam verbrachten. Ich sehe uns alle in dem kleinen Garten vor Eurem Haus versammelt. Deine Mutter hat eine Schüssel Fisolen und ein kleines Brett vor sich stehen und istbemühlt die Fisolen zu putzen und klein zu schneiden.


Zu Ihrem Entsetzen und zu unserer Freude will sie Karl, mein herrlicher Held, der sich gerade auf Kriegsurlaub befindet, mit seinem Säbel dabei unterstützen! Da schiebt sie die Schüssel von sich und sagt: "Schluß jetzt! Jetzt lernen wir ein neues Lied!"

Als gute Mutter, die sich wirklich um ihre Kinder kümmerte, hatte sie nämlich mit ihnen einen kleinen Gesangsverein gebildet. Das konnte sie leicht, denn sie hatte ja musikalische Kinder! Du, liebe Liesl, konntest zu jedem Lied sofort die zweite Strophe singen und Gottfried auf Anhieb die dritte!

Nun zieht also Tante Valerie ein kleines Büchlein aus der Schürzentasche, blättert darin und entscheidet sich für das Lied: "Lauf, Jäger, lauf, lauf, lauf!" ( Ich habe keine Ahnung mehr davon.)


Bald hat sie es mit uns einstudiert und zu ihrer großen Zufriedenheit ertönt es nun tagelang durch die Gegend.

Eine andere Erinnerung taucht vor mir auf: Unsere "Garser Kirchgänge". damals wohntet Ihr in Kammegg in der Pfarrer Villa.


Sonntag früh zwang ich den kleinen Holdi, mich zu begleiten, um mit Euch nach Gars in die Kirche zu gehen. Gerne ging er nicht mit, er schimpft heute noch darüber, daß ich ihn damals mitgeschleppt habe. Wir holten also Tante Valerie und ihre blühende Kinderschar ab und zogend lachend und lärmend nach Gars in die Kirche. https://de.wikipedia.org/wiki/Pfarrkirche_Gars_am_Kamp

Dort mußten wir uns eine Stunde lang gesittet benehmen. Darüber beklagt sich Reinhold besonders, denn er wußte nie, wann er knien, sitzen oder aufstehen mußte. (Man ersieht daraus, daß wir nicht so fromm erzogen waren, wie Tante Valeries Kinder.) Doch nach der Messe begann unser Vergnügen: Auf dem Kirchenplatz gab es kleine Standeln und Tante Valerie kaufte Leckerbissen und verteilte sie unter uns Kindern! Wir umringten sie dankbar und laut. Dann trieb sie die Kinder wieder Heim. Karl, Vally und ich gingen noch auf die Thunauer Ruine und ich glaube, daß ich nur Karls wegen, mit dem ich so innig befreundet war, an diesen Kirchgängen teilnahm.


Tante Valerie kümmerte sich aber auch um das Liebesleben Ihrer heranwachsenden Töchter. sie führte uns z.B.: einige Male am abend nach Gars ins Kaffeehaus, wo wir uns mit jungen Männern unterhalten konnten. Einmal fuhr sie mit Vally und mir nach horn, wo wir ein lustiges Theaterstück sahen, zu dem uns ein Holländer, Baron von Sikkingen, eingeladen hatte.



Nach der Vorstellung mußten wir mitten in der Nacht von Horn zu Fuß nach hause gehen. Ich sehe mich noch an der Seite von Tante Valerie auf der Straße von Horn nach Rosenburg dahin wandeln! Das "junge Paar" ( er hatte schon weiße Haare) ließen wir vorausgehen und wir unterhielten uns wie gute Freundinnen über Vallys Zukunft. Tante Valerie wollte sie unbedingt gut verheiraten, sie meinte, für Vally sei das das richtige, ich hätte das nicht so notwendig, ich war ja bereits Lehrerin und außerdem hoffte sie im geheimen, aus mir und Karl würde einmal ein Paar.

.......und so gehts weiter..... KAPITEL 3

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